Fotografische Sammlung

Die Fotografische Sammlung in der Modernen Galerie des Saarlandmuseums umfasst derzeit einen hochkarätigen Bestand von 24.667 Abzügen und etwa ebenso vielen Bildern auf Diapositiv- und Negativmaterial. Das älteste Exponat der Sammlung wurde am 13. Juli 1844 aufgenommen, die jüngste Arbeit stammt zurzeit aus dem Jahr 2018.
Die digitalisierten Bestände der Fotografischen Sammlung können Sie hier konsultieren. Sie werden in jährlich wachsender Zahl im Portal Bildindex des Deutschen Dokumentationszentrums für Kunstgeschichte eingestellt.

Die Fotografische Sammlung wurde erstmals 1955 von dem Kunsthistoriker Josef-Adolf Schmoll gen. Eisenwerth erwähnt. In dem zweiten Buch zur ebenso kühnen wie epochemachenden subjektiven fotografie schrieb er über die wenigen damals neu entstandenen Fotografiesammlungen: „Die Anlage von Foto-Sammlungen unter künstlerischen Gesichtspunkten (z. B. beim Museum of Modern Art in New York, beim Saarlandmuseum in Saarbrücken und anderwärts) ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Damit gehört die Fotografische Sammlung in Saarbrücken zu den ältesten in einem Museum für moderne Kunst in dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik.

Otto Steinert, Lampen an der Place de la Concorde, Luminogramm, 1952 © Nachlass Otto Steinert, Museum Folkwang Essen

Ihre Entstehung hängt auf das Engste zusammen mit dem Wirken Otto Steinerts, der als Hochschullehrer für Fotografie aber auch als Initiator der 1951 ins Leben gerufenen subjektiven fotografie internationale Bekanntheit und Einfluss erlangte. Die ersten Ankäufe für die Fotografische Sammlung lancierter dieser selbst für das Museum im Jahr 1955. Seither bildet die „subjektive fotografie“ samt ihres Um- und Schülerkreises, aber auch ihren Vorläufern im Surrealismus, am Bauhaus und in der Neuen Sachlichkeit einen starken Schwerpunkt in der Sammeltätigkeit des Hauses. Besondere Erwähnung gilt dem umfangreichen Nachlass der Fotografin Monika von Boch, der 1993 in die Sammlung überging.

Monika von Boch, Bogengang in Touggourt, 1954, Negativabzug © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Die zeitgenössische Fotografie ist vertreten etwa mit Arbeiten von Boris Becker, Roland Fischer, Simone Demandt, Sinje Dillenkofer, Sven Erik Klein, Hans-Christian Schink und vielen anderen. Im 21. Jahrhundert ist der Bestand durch Zuwendungen im Rahmen des OPUS-Preises für Fotografie um viele junge Positionen angewachsen.

Sinje Dillenkofer, O. T., Archiv 1, 2015 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Für viele überraschend ist der beachtliche Bestand zur Fotografie des 19. Jahrhunderts. Neben einer Sammlung von Portraitfotografien von sehr frühen Daguerreotypien über Salzpapierabzüge zu Ambro- und Ferrotypien existieren. Frühe Fotografien aus dem Heiligen Land von Auguste Salzmann, aus Konstantinopel und Griechenland von James Robertson und Philippos Margaritis sind ebenso vertreten wie Robertsons weltbekannten Bilder aus dem Krim-Krieg. Fotografien aus Spanien von Juan Laurent stehen ebenso für eine sehr frühe dokumentarische Fotografie wie ein erst jüngst wiederentdecktes Album mit Motiven aus Paris von Edouard Baldus. Beachtlich ist auch ein Bestand von Industriemotiven des Saargebietes von Carl Heinrich Jacobi aus den 1860er Jahren.

Unbekannter Fotograf, ohne Titel (Familie Hartung), Daguerreotypie, 13.07.1844

Da Fotografien aus konservatorischen Gründen immer nur für kurze Zeit ausgestellt werden können, ist eine Dauerausstellung der Fotografischen Sammlung nicht möglich. Fotografien aus der Sammlung können aber nach Voranmeldung (info(at)kulturbesitz.de) in unserem Studiensaal vorgelegt werden.

Ausgewählte Literatur zur Fotografischen Sammlung finden Sie in unserer Museumsbibliothek. Klicken Sie hier.

Edouard Baldus, Notre-Dame de Paris, Blatt 1 im Album PHOTOGRAPHIES DE PARIS, 1851-1870, Albuminpapier auf Karton